Eiskeller - Schleswiger Stadtgeschichte

Gesellschaft für Schleswiger Stadtgeschichte e. V.
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Eiskeller


Geschichte vor Ort: Der Eiskeller im Lollfuß

20 Teilnehmer konnte der Geschäftsführer Siegfried Lawrenz im Namen der Gesellschaft für Schleswiger Stadtgeschichte am 10.07.2014 im Lollfuß begrüßen, um einen weitgehend unbekannten Ort im Lollfuß zu entdecken: Der Eiskeller, Ende des 19. Jahrhunderts gebaut, liegt viele Jahre für die Öffentlichkeit unzugänglich und verborgen nördlich vom Grundstück Lollfuß 76, dem im frühen 18. Jahrhundert erbauten ehem. Brockdorffschen Hof. Hier befand sich die Brüningsche Brauerei, deren Gaststuben ja bekanntlich im 19. Jahrhundert beliebter Treff waren.
Der Eiskeller mit seinen ausgedehnten Gewölben, der sich unterirdisch bis weit in die Schützenkoppel hinein erstreckt, ist nur durch den sichtbaren Backsteingiebel zu betreten. Zugänglich ist der Eiskeller heute grundsätzlich nicht, denn er ist nun schon seit vielen Jahren Wohn- und vor allem Schlafstätte von bis zu 3.000 Fledermäusen, die dort nahezu ganzjährig einen Unterschlupf erhalten haben und sich offensichtlich sehr wohlfühlen. Der Eiskeller besteht überwiegend aus doppelwandigem Mauerwerk mit einer Hohlschicht. Das Eis der zugefrorenen nahen Schlei wurde hier im Winter in großen Blöcken eingelagert und konnte sich aufgrund der konstanten niedrigen Temperatur bis weit in den Sommer hinein halten.
Die Besichtigung konnte nur durch das Entgegenkommen von Herrn Volker Kubisch, Schuby, ermöglicht werden, der diesen Lebensraum der Fledermäuse überwacht und auf den Schutz der Tiere, die dort in mehreren Arten leben, achtet. So konnten dann die Teilnehmer den Eiskeller – ohne Beleuchtung und nur mit der eigenen Taschenlampe ausgestattet – durch den niedrigen Eingang kriechend betreten und sich vom Ausmaß der Kelleranlage einen Eindruck verschaffen. Der Keller wurde später auf unterschiedliche Art genutzt, zuletzt gegen Ende des 2. Weltkriegs als Luftschutzeinrichtung, die nach dem Ausmaß einer der größten in Schleswig gewesen sein muss. Eisenarmierungen, Luftschutztüren und –schleusen sowie die gemauerten Aborte sind erkennbar. Herr Kubisch führte durch nahezu alle unterirdischen Hallen, wies auf die noch erhaltenen Luftschächte hin und gab einen sehr interessanten Überblick über die Fledermäuse, die hier in den Mauerzwischenräumen hervorragende Lebensbedingungen finden, sofern sie nicht gestört werden. Um den Schutz kümmert sich Herr Kubisch im Auftrage des
B.U.N.D., Ortsgruppe Schleswig.
Übrigens: Fledermäuse wurden nicht gesichtet. Deshalb war diese Besichtigung auch sehr kurzfristig terminiert worden, denn die Tiere leben hier fast ganzjährig, von wenigen Tagen im Juli und August abgesehen. Diese Gelegenheit wurde deshalb zum Gang durch die Hallen genutzt. Die Teilnehmer der Besichtigung haben den Keller mit einer Temperatur von ganzjährig etwa 8 Grad Lufttemperatur am Ende des Rundgangs wiederum kriechend verlassen und konnten anschließend den herrlichen Sommerabend bei deutlich höheren Temperaturen genießen.
Die Stadtrundgänge werden fortgesetzt.

Siegfried Lawrenz
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