Schleswiger Stadtgeschichte

Gesellschaft für Schleswiger Stadtgeschichte e. V.
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Exkursion 2014

Flensburg, Düppeler Schanzen, Oeversee
 

Bericht zur Exkursion 2013
 
 
Zu den besonderen Angeboten der Gesellschaft für Schleswiger Stadtgeschichte gehört die jährliche Exkursion. Im Vorblick auf den 150. Jahrestag der Schlacht bei Düppel (18. April 2014) konnte der Vorsitzende Klaus Nielsky am Sonnabend, dem 9. September 2013, fast 40 interessierte Mitglieder und Gäste auf der Fahrt nach Norden begrüßen.
 
Die erste Station war der Alte Friedhof in Flensburg, der als einer der ältesten kommunalen Friedhöfe in ganz Nordeuropa gilt. Er entstand zu Beginn des 19. Jahrhunderts in der Zeit, als Beisetzungen auf den „Kirchhöfen“ in der Stadt (neben der Kirche) nicht mehr möglich waren. So wurde auf dem Museumsberg oberhalb der alten Stadt eine parkähnliche neue, weitläufige Friedhofsanlage geschaffen. Hier fanden auch Gefallene der deutsch-dänischen Kriege 1848-51 und 1964 ihre letzte Ruhestätte. Der aufgeschüttete große „Ehrenhügel“ mit den 51Grabtafeln aus Marmor, auf denen Namen und Lebensdaten dänischer Gefallener aus der Schlacht bei Idstedt stehen, erinnert daran.
 
Und der riesige bronzene Flensburger Löwe („Idstedt-Löwe“) auf ebenso riesigem Podest. Der dänische Bildhauer Hermann Wilhelm Bissen (geboren in Schleswig) schuf das Denkmal in Erinnerung an den Sieg der Dänen in der Schlacht bei Idstedt (25.7.1850). Er hatte eine wechselvolle Geschichte, worin sich die wechselvolle Geschichte Europas in den vergangenen 150 Jahre widerspiegelt. Nach der dänischen Niederlage bei Düppel kam der Löwe 1867 nach Berlin und nach dem 2. Weltkrieg auf Veranlassung der Amerikaner nach Kopenhagen. Nach langen Diskussionen und vielen Gesprächen und Verhandlungen kehrte er  schließlich an seinen ursprünglichen Platz in Flensburg zurück, wo er am 10.9.2011 wieder eingeweiht wurde. Der Idstedt-Löwe gilt nun als eindrucksvolles Symbol guter deutsch-dänischer Nachbarschaft, „… als Zeichen von Freundschaft und Vertrauen“, wie auf der neuen Bronzetafel am Sockel zu lesen ist. Eine Zink-Kopie des Löwen befindet sich übrigens in Berlin neben dem Haus der Wannsee-Konferenz.
 
Durch diesen Besuch auf dem Flensburger Friedhof und die informative Führung war die Gruppe gut vorbereitet für den weiteren Verlauf der Tagesfahrt nach Dänemark. Vom nördlichen Fördeufer aus gab es wunderbare Ausblicke Richtung Mürwik und Glücksburg. Im Nu waren die Düppeler Schanzen erreicht. In dieser landschaftlich schönen Umgebung fällt es schwer, sich hier die schlimme Schlacht von 1864 vorzustellen, die in der dänischen Geschichte einen tiefen Einschnitt hinterlassen hat.
 
Im neu gestalteten Geschichtszentrum Dybbol Banke vermitteln Bilder, Filme, Waffen, Kanonen, Uniformen, nachgestellte Kampfszenen, Kanonenndonner und die renovierten Außenanlagen bleibende Eindrücke von dem Geschehen vor fast 150 Jahren. Man konnte die Schicksale der Soldaten und ihrer Familien auf beiden Seiten nachempfinden. Dazu verhalfen auch die sachkundigen Erklärungen und anrührenden Anekdoten des dänischen Gästeführers in markanter deutscher Sprache. „Krieg ist Folge der Politik“, war sein Fazit, das nach wie vor aktuell ist. „Schlachtbank Düppel“ ist der Titel des lesenswerten ergreifenden Buches von Tom Buk-Swienty, das die Grauen des Krieges und die Tragik der Niederlage dokumentiert und 2008 in Dänemark als bestes Sachbuch des Jahres ausgezeichnet wurde.

Nach einer stärkenden Mittagspause war das große Fröslev-Lager in der Nähe von Pattburg das nächste Ziel. Es wurde 1944 während der deutschen Besatzung Dänemarks als deutsches Internierungslager errichtet, um weitere Deportationen dänischer Staatsbürger in deutsche Zuchthäuser und KZ-Lager zu vermeiden und um die Rückführung von bereits deportierten Dänen zu ermöglichen. Es gab eine dänische Lagerselbstverwaltung gegenüber der deutschen Lagerleitung. Entgegen allen Versprechungen wurden rund 1.600 Fröslev- Gefangene nach Deutschland deportiert, wovon etwa 230 ums Leben kamen.

Ab Mai 1945 bis 1949 war das Faarhus-Lager, wie es jetzt hieß, Internierungs- und Straflager für dänische „Landesverräter“, wovon besonders auch die deutsche Minderheit in Nordschleswig betroffen war. Bis 1968 war das Fröslev-Lager, nun mit dem Namen „Padborg-Lager“, Kaserne für das dänische Heer. Von 1968 bis 1975 diente es dem Zivilschutz als Unterkunft. In den gut erhaltenen Baracken befinden sich heute ein interessant gestaltetes Museum zur wechselvollen Lager-Geschichte und eine Förderschule, also eine besondere Mischung aus deutsch-dänischer Geschichte und Gegenwart.
 
Nach einer erfrischenden Kaffeepause im „Kiek in“ am Sankelmarker See übernahm Frau Köppen aus Översee die Führung. Das Dänendenkmal westlich der B 76 aus dem Jahre 1899 und das Österreicher-Denkmal von 1864 auf der Anhöhe gegenüber erinnern an die unsinnige Schlacht bei Oeversee am 6.2.1864. Am Tag darauf waren viele Flensburger und wohl auch einige Schleswiger hierher gekommen, um den Verwundeten und Gefangenen, um Freund und Feind zu helfen. In großen Töpfen wurde „Frische Suppe“ mitgebracht, um die Soldaten mit einer warmen Mahlzeit zu versorgen. Im Gedenken daran findet am 7. Februar alljährlich der große Översee-Marsch statt, der von Dänen und Deutschen miteinander „begangen“ wird und mit dem gemeinsamen Essen endet. Einige Exkursions-Teilnehmer sind schon dabei gewesen.
 
Zum Abschluss zeigt Frau Köppen in Oeversee noch die schöne St. Georg Kirche mit dem markanten runden Wehrturm. Sie ist dem Heiligen Georg (St. Jürgen), dem Schutzpatron der Reisenden geweiht. Hier, wo der Stapelholmer Weg vom Ochsenweg abzweigte, war eine verkehrspolitisch und strategisch wichtige Stelle. Die Kirche entstand wohl am Anfang des 12. Jahrhunderts. Aus der Zeit stammen noch der Altar mit den fünf Weihekreuzen und die Taufe aus gotländischem Kalkstein. Auch hier begegnen sich Vergangenheit und Gegenwart, gemeinsame deutsche und dänische Geschichte.
 
Nach diesem inhaltsreichen Tag dankt der Vorsitzende insbesondere dem Geschäftsführer Siegfried Lawrenz für die sorgsame Vorbereitung und lädt ein zur Exkursion 2014, die voraussichtlich zweitägig nach Mecklenburg führen wird.
 
                                                                                                                               
 
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                            Johannes Pfeifer   
 
                                  
 
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