Leserbriefe 59-2014 - Schleswiger Stadtgeschichte

Gesellschaft für Schleswiger Stadtgeschichte e. V.
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Leserbriefe 59-2014

Herzogliche Stadtwachen in Schleswig

Andreas Heyer – Eine Ergänzung zu dem Beitrag im Jahresheft 2013:
„Eine alte Karte und die Holländer im Herzogtum Schleswig“

Bild 1Vor etwa 40 Jahren war ich einmal in der ehemaligen „Busdorfer Wache“, heute Busdorfer Strasse Nr. 27, und habe einen ehemaligen Berufskollegen besucht. Einige Dinge sind mir dort seit damals besonders in Erinnerung: Die aufwändig gearbeitete Haustür im Barockstil mit farbigen frugalen Füllungen (Bild 1), der Fußboden im Eingangstür aus „Öländer Steinplatten“, wie sie auch in der Königshalle von Schloss Gottorf eingebaut sind, und natürlich die Uhr in der Strassenfront des Gebäudes. Diese Uhr kann übrigens noch eine besondere Funktion erfüllt haben. Der Auslauf des Busdorfer Teiches in den Öhrbach und die Wassermühle vor Gottorf befanden sich beide in der Nähe von öffentlichen Uhren von Herzog Friedrich III. So konnte schon damals ein pünktliches in Gang setzen des Mühlenstromes verabredet werden, wenn die Mühle arbeiten sollte. Der Wasserstrom benötigte vom Busdorfer Teich durch den Öhrbach bis zum Wasserrrad der Mühle eine knappe Viertelstunde. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts war die Gebäudeform der Wache, Krüppelwalmdach mit Frontispitz,ein gebräuchlicher und vielfach aus jener Zeit erhaltener Haustyp in Schleswig (Bild 1 Busdorfer Wache). Zu diesen Gebäuden zählte übrigens auch mein Geburtshaus, das alte Michaelispastorat, Stadtweg 88. Das Foto aus den dreißiger Jahren zeigt es mit einem Umzug der Gilden. (Bild 2 Michaelispastorat).
Zur Zeit von Herzog Friedrich III. existierte am Stadtrand von Schleswig mindestens noch eine weitere Wache. „Husumer Baum“ (Schlagbaum), der Name der Ausfallstrasse aus Schleswig in Richtung Westen nach Husum, legt nah, anzunehmen, dass eine Wache im Verlauf dieser Straße stand.
Bild 2


Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Winkler,
Ihr Wunsch nach Beiträgen zum deutsch/dänischen Verhältnis erinnert mich an meine Kindheit und Jugend in Schleswig während der 50er/60er Jahre. Im Rückblick darauf ist mir schon seit vielen Jahren bewußt, wie schwierig das Verhältnis zu den dänischen Mitbewohnern, zumindest in jener Zeit, gewesen ist.
Obwohl aus einer alteingesessenen Schleswiger Familie stammend, die verschiedene Ursprünge auch in Dänemark hatte (nahe Verwandte stammten aus Dänemark), wurden die seinerzeitigen dänischen Aktivitäten in Schleswig als unangemessen und unpassend dargestellt, und man durfte im Sommer an den dänischen Festtagen weder zu den Kinderfesten noch zu den Umzügen der dänischen Minderheit gehen – hier herrschte eine klare Abgrenzung. Und das, obwohl mehrere Töchter eines meiner Vorfahren, der als deutscher Patriot im Krieg 1864 hochgeehrt wurde, in den dänisch-stämmigen Teil unserer Familie einheirateten.

BUCHHINWEISE
zur Leserecke und den Leserbriefen
Baumann, Kirsten (Hrsg.): Der Gottorfer Codex. Blütenpracht und Weltanschauung. München: Hirmer 2014.
Haaks, Nikola: Schleswig und an der Schlei. Ellert & Richter 2013.
Kroker, Wolfgang: Kunst anders sehen – in und um Schloss Gottorf. Schleswig 2014.
Rathjen, Karl: Der Holm und seine Bewohner. Historischer Bildkalender für das Jahr 2015.
Schietzel, Kurt (mit Flemming Bau, Holger Hammon und Jürgen Schüller): Spurensuche Haithabu. Wachholtz/Murmann-Publisher 2014.


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